Brie­fe­di­tion Eduard Steu­er­manns


Kontro­verse Wege der Moderne: Der exilierte Kompo­nist und Pianist Eduard Steu­er­mann (1892–1964) in seinen Briefen. Korre­spon­denz mit Arnold Schön­berg, Theodor W. Adorno, René Leibo­witz, Rudolf Kolisch und Michael Gielen. Eine kommen­tierte kriti­sche Studi­en­aus­gabe

Das Projekt setzt die Virtu­elle Forschungs­um­ge­bung FuD ein, um den Brief­wech­sels Eduard Steu­er­manns syste­ma­tisch zu erfassen und ausge­wählte Briefe für eine Druck­aus­gabe aufzu­be­reiten.

Projekt­be­schrei­bung

Foto­grafie aus dem Besitz von Erika Haase im Archiv Volker Rülke. Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Rachel Steu­er­mann.

Der im Projekt verfolgte Forschungs­an­satz geht über eine reine Quel­len­edi­tion hinaus und verbindet die quel­len­kri­tisch erar­bei­tete Text­ge­stalt der Briefe mit einem mehr­stufig inein­an­der­grei­fenden Konzept. Auf der untersten Ebene stehen erschlie­ßende Stel­len­kom­men­tare, die detail­lierte Sach­in­for­ma­tionen geben, aber auch Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­keiten anbieten. Sie werden in einfüh­renden Essays zusam­men­ge­führt, die den einzelnen Corpora voran­ge­stellt sind und auch Auskunft über die Über­lie­fe­rungs­lage geben. Den eröff­nenden Abschnitt bildet eine sechs­tei­lige Grund­le­gung. Im ersten Kapitel wird Steu­er­manns Posi­tion im Span­nungs­feld der kontro­versen Wege der Moderne zwischen Avant­garde und Emer­genz bestimmt, wobei auch die Kultur­trans­fers zwischen Europa und den USA und die Bedin­gungen der Emigra­tion thema­ti­siert werden. Weiter werden die Biogra­phie und Grund­li­nien der stilis­ti­schen Entwick­lung Steu­er­manns über­blicks­haft darge­stellt. Ein eigenes Kapitel gilt dem für die musi­ka­li­sche Inter­pre­ta­tion zentralen Begriff des „Wiener Espres­sivo“. Weiter wird Steu­er­manns „Kunst des Klavier­spiels“ in einem umfas­senden Kapitel darge­stellt, das unter anderem seine Inter­pre­ta­tion der Diabelli-Varia­tionen, die im Brief­wechsel mit Michael Gielen vorfind­li­chen Erläu­te­rungen zur Inter­pre­ta­tion Schön­bergs und Bergs, seine Brahms-Ausgaben aus den 1920er Jahren und seinen Aufsatz „Verän­dert sich der Styl der musi­ka­li­schen Inter­pre­ta­tion“ aus dem Jahr 1934  behan­deln. Das letzte Kapitel widmet sich der Bedeu­tung der Lite­ra­tur­ver­to­nungen von Georg Trakl, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Bert­hold Viertel, Michel­an­gelo u.a. in seinem Œuvre.

Insge­samt werden über das gesamte Buch hindurch mehrere thema­ti­sche Schwer­punkte verfolgt, nämlich das genuine Schaffen des Kompo­nisten Steu­er­mann, dann die Lebens­wirk­lich­keiten im Exil und exem­pla­ri­sche Stra­te­gien zur Bewäl­ti­gung der Exil­si­tua­tion, ferner die Auffüh­rungs­kon­texte der Werke der Schön­berg­schule, weiter das Span­nungs­feld zwischen Musik und Lite­ratur, wie es sich in den disku­tierten Werken zeigt, und schließ­lich die Theorie und Geschichte der musi­ka­li­schen Inter­pre­ta­tion. Die hierfür ausge­wählten zentralen Brief­partner Steu­er­manns sind sein Kompo­si­ti­ons­lehrer Arnold Schön­berg, der Philo­soph und Kompo­nist Theodor W. Adorno, der bei Steu­er­mann in Wien Klavier studierte, der Kompo­nist, Diri­gent und Musik­theo­re­tiker René Leibo­witz, der Geiger Rudolf Kolisch, der Prima­rius des von ihm begrün­deten Kolisch-Quar­tetts, und sein Neffe Michael Gielen, eine der wich­tigsten Diri­gen­ten­per­sön­lich­keiten des 20. Jahr­hun­derts. Der thema­ti­sche Perspek­ti­ven­reichtum der Korre­spon­denzen lässt erwarten, dass die kommen­tierte Edition der Brief­wechsel auch außer­halb des engeren musik­wis­sen­schaft­li­chen Zirkels Beach­tung finden wird.

Ein erster Band mit den Korre­spon­denzen Steu­er­manns mit Arnold Schön­berg, Theodor W. Adorno und René Leibo­witz erscheint Anfang 2021 im Verlag edition text und kritik, München mit einem Umfang von etwa 700 Seiten. Im zweiten Band soll dann die Korre­spon­denz mit Rudolf Kolisch und Michael Gielen folgen, der Auszüge aus der Fami­li­en­kor­re­spon­denz, vor allem mit der Schwester Salka Viertel, beigesellt werden sollen, die wesent­liche Einblicke in die Realität des Exils zu vermit­teln vermögen. Die Aktua­lität der Steu­er­mann-Forschung wird durch ein im November 2018 an der Linzer Anton Bruckner Privat­uni­ver­sität abge­hal­tenes Sympo­sium unter­stri­chen, dessen Beiträge eben­falls in der edition text und kritik veröf­fent­licht werden und etwa zeit­gleich mit dem ersten Band der Korre­spon­denz erscheinen sollen.

Das Steu­er­mann-Projekt wird seit dem 1. Mai 2018 mit den Mitteln der DFG geför­dert.

  • Leitung:
    Prof. Dr. em. Martin Zenck
  • Förderer:
    DFG
  • Projektlaufzeit:
    seit 2018
  • Projektstatus:
    laufend
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